Das Phänomen
Ein statistischer Zusammenhang kann in jeder Teilgruppe positiv sein und trotzdem negativ werden,
wenn man die Gruppen zusammenfasst (oder umgekehrt). Benannt nach Edward H. Simpson (1951), beschrieben aber schon
von Pearson, Yule und Kendall. Es ist kein Rechenfehler — beide Trends sind real, sie beantworten nur
verschiedene Fragen.
Warum passiert das?
Die gepoolte (aggregierte) Steigung vermischt zwei Quellen von Kovarianz: die Within-Gruppen-Variation
und die Between-Gruppen-Variation. Sind die Gruppen entlang einer gegenläufigen Richtung verschoben
(Konfundierung), kann der Between-Anteil den Within-Anteil überstimmen:
b_pooled = [ Cov_within(x,y) + Cov_between(x,y) ] / [ Var_within(x) + Var_between(x) ]
Cov_within = b_within · Var_within(x)
Cov_between = b_between · Var_between(x)
Ist bwithin positiv, aber bbetween stark negativ und die Gruppen
weit auseinander (großer Gruppen-Versatz → großes Var_between), dominiert der zweite Term und bpooled
wird negativ. Genau dann kippt das Vorzeichen.
Die Regler
Within-Slope bw: der wahre Effekt innerhalb jeder Gruppe.
Zwischen-Trend bb: wie die Gruppen-Mittelpunkte angeordnet sind (Richtung & Stärke der Konfundierung).
Gruppen-Versatz: wie weit die Gruppen voneinander getrennt sind. Bei 0 überlappen sie vollständig →
pooled = within, kein Paradox. Je größer, desto stärker dominiert der Between-Trend.
Drei Szenarien
Umkehr: Within positiv, Between negativ → Pooled negativ (klassisches Paradox).
Keine Konfundierung: Gruppen-Versatz = 0 → Within und Pooled stimmen überein.
Verstärkung: Within und Between gleiches Vorzeichen → Pooled übertreibt den Effekt
(gleiche Richtung, falsche Größe). Auch das ist eine Form der Verzerrung.
Was tun?
Die Lösung ist nicht „immer aufschlüsseln" oder „immer poolen", sondern die kausale Struktur
zu klären (DAG): Ist die Gruppenvariable ein Confounder, muss man für sie adjustieren (within betrachten).
Ist sie ein Mediator auf dem Wirkpfad, würde Adjustieren den Effekt fälschlich wegrechnen. Ein
Multilevel-Modell (Partial Pooling) trennt Within- und Between-Effekt sauber.
Literatur
Simpson, E. H. (1951). The interpretation of interaction in contingency tables. JRSS B, 13(2), 238–241.
Bickel, P. J., Hammel, E. A. & O'Connell, J. W. (1975). Sex bias in graduate admissions: Data from Berkeley. Science, 187, 398–404.
Pearl, J. (2014). Comment: Understanding Simpson's paradox. The American Statistician, 68(1), 8–13.